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Schutzkleidung - 6 min read

Stahl- & Metallnormen 101: Ein Leitfaden für Arbeitsschutzbeauftragte

Warum Sicherheitsstandards wichtig sind

„Wenn Dinge nicht so wie geplant funktionieren, heißt das oft, dass es keine Normen gibt“, erklärt die Internationale Organisation für Normung (ISO). Normen sind nationale (z.B. NEN), europäische (z.B. EN) oder internationale (z.B. ISO) Standards, die von Branchenexperten festgelegt werden. In der Stahl- und Metallindustrie dienen Normen zum Schutz von Beschäftigten gegen Risiken am Arbeitsplatz und sorgen für sichere Abläufe in Unternehmen.

Warum sind Normen so wichtig? Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Arbeitsschutzbeauftragter in einem multinationalen Unternehmen mit Hauptsitz in der EU. Die Spezifikation und Einhaltung internationaler Normen bei der Zusammenarbeit mit Ihrer internationalen Wertschöpfungskette geben Ihnen das Vertrauen, dass die Einhaltung von Sicherheitsstandards weltweit identisch ist. Aber Normen sind nicht nur für die Geschäftsführung wichtig, denn sie gewährleisten auch, dass Beschäftigte nach ihrem Arbeitstag gesund und sicher zu ihrer Familie zurückkehren können.

 

Erläuterung der Normen für Arbeitsschutzkleidung in der Stahl- und Metallindustrie

Die Stahl- und Metallindustrie lässt sich grob in zwei Hauptbereiche unterteilen, für die jeweils eigene Risiken – und Normen – gelten. Diese Bereiche sind:

  • Stahl- und Metallherstellung
  • Stahl- und Metallverarbeitung

Wie Sie sich denken können, ergeben sich beim Arbeiten in einer Stahlgießerei andere Risiken als beim Schiffsbau oder Maschinenbau. In der Stahlherstellung (z.B. bei Tata Steel, US Steel) treten hohe Temperaturen auf, es besteht die Gefahr von flüssigen Metallspritzern, und es können sich entzündliche Gase bilden, während die Risiken bei der Stahlverarbeitung (z.B. Damen Shipyards, Stork) eher im Zusammenhang mit den zahlreichen Schweißarbeiten stehen, die für die Verbindung von Stahlplatten erforderlich sind.

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#1: EN ISO 11612

Für die Stahl- und Metallherstellung enthält diese Norm die Mindestsicherheitsanforderungen für Arbeitsschutzkleidung, die Hitze und offenem Feuer ausgesetzt ist. Diese Norm schützt Träger:innen gegen kurzen Kontakt mit offenem Feuer sowie gegen Konvektions- und Strahlungswärme. Die Norm EN ISO 11612 enthält mehrere Testverfahren, die unterschiedliche Risiken im Zusammenhang mit der Flammhemmung simulieren. Um die Vorgaben der Norm EN ISO 11612 zu erfüllen, muss ein Schutzgewebe mindestens zwei Tests bestehen: den A-Test und wenigstens einen der Tests B, C, D oder E. Das Material wird im Hinblick auf folgende Aspekte geprüft:

  • Test A: Flammenausbreitung
  • Test B: Konvektionswärme
  • Test C: Strahlungswärme
  • Test D/E: Flüssige Metallspritzer
  • Test F: Kontakthitze

Aufgrund der Testergebnisse wird das Material einer bestimmten „Leistungsklasse“ zugeordnet. Ein Gewebe der Leistungsklasse 1 beispielsweise bietet das Mindestmaß an Schutz, das erforderlich ist, um den Test zu bestehen. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen für Arbeitsschutzkleidung zuständig sind, sollten Sie nicht nur darauf achten, ob ein Material der Norm EN 11612 genügt, sondern auch, in welchem Umfang das der Fall ist.

Dafür müssen Sie die verschiedenen Leistungsklassen dieser Norm kennen, da diese mit dem Umfang der möglichen Folgen von Gefahren am Arbeitsplatz zusammenhängen. Die drei Leistungsklassen im E-Test bieten Ihnen zum Beispiel Informationen über den Schutz gegen verschiedene Mengen von flüssigen Eisenspritzern. E1 schützt gegen flüssige Eisenspritzer mit einem Gewicht von 60 bis <120 g, während E3 noch bei >200 g Schutz bietet. Abhängig von der Risikostufe in Ihrer Arbeitsumgebung müssen Sie also die passende Leistungsklasse wählen. Bei Problemen mit der Übertragung von Laborergebnissen in praktischen Schutz am Arbeitsplatz können Sie sich diese praxisorientierten Einblicke in die Norm EN ISO 11612 für die Stahl- und Metallindustrie durchlesen.

 

#2: EN ISO 11611

Für die Stahl- und Metallverarbeitungsindustrie enthält diese Norm die Mindestsicherheitsanforderungen für Arbeitsschutzkleidung bei Schweiß- und verwandten Arbeiten. Schutzkleidung gemäß Norm EN ISO 11611 schützt Träger:innen im Arbeitsalltag gegen Metallfunkenflug und zufälligen Kontakt mit Flammen. Für spezielle Schweißarbeiten müssen Sie auf jeden Fall wie unten beschrieben Schutzkleidung der Klasse 2 tragen.

Die Norm EN ISO 11611 enthält vier Testverfahren, die unterschiedliche Risiken im Zusammenhang mit der Flammresistenz simulieren:

  • Strahlungswärme (ISO 6942)
  • Flüssiges Metall (ISO 9150)
  • Flammenausbreitung (ISO 15025)
  • Elektrischer Widerstand (EN 1149-2)

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass EN ISO 11611 in zwei Klassen unterteilt ist. Wenn die Schutzkleidung alle vorerwähnten Tests erfolgreich besteht, handelt es sich um Schutzkleidung der Klasse 1. Wenn bei Tests gemäß ISO 6942 und ISO 9150 beide Klasse-2-Anforderungen erfüllt sind, handelt es sich um Schutzkleidung der Klasse 2.

Welche Klasse gilt für mich?

Sie müssen auf jeden Fall die Unterschiede kennen, die für die Einstufung Ihrer Schutzkleidung in Klasse 1 oder Klasse 2 gelten. Autogenschweißen ist ein Schweißverfahren der Klasse 1, während MMA-Schweißen (mit basischer oder Zelluloseelektrode) und MAG-Schweißen (mit CO2 oder Gasgemischen) sowie MIG-Schweißen (mit hoher Stromstärke) Schweißverfahren der Klasse 2 darstellen.

#3: IEC 61482-1-2

Diese Norm ist der europäische Standard für den Schutz von Beschäftigten vor Störlichtbögen bei elektrischen Störungen während elektrotechnischer Arbeiten an oder in der Nähe von spannungsführenden Teilen (zum Beispiel beim Reparieren des Schaltkastens einer Verarbeitungsmaschine mit hohem Stromverbrauch, wie einem Schmelztiegel). Ein Störlichtbogen ist eine Explosion, die tödliche Folgen haben kann, wenn die Betroffenen nicht die richtige Schutzkleidung tragen.

#4: EN ISO 20471

Diese Norm ist der internationale Standard für Warnkleidung. Wenn man sich bei der Arbeit viel bewegt, ist man vielen Gefahren ausgesetzt. Daher ist Sichtbarkeit bei Nacht oder im Dunkeln essenziell für die Sicherheit. Wir haben festgestellt, dass Stahl- und Metallarbeiter zunehmend reflektierende Elemente verwenden (nicht vollständig kompatibel mit EN 20471 - Stufe 1), um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.

#5: EN 1149

Diese Norm ist der europäische Standard für elektrostatische Eigenschaften von Schutzkleidung. Antistatische Materialien verhindern Funkenbildung durch Reibung und schützen Mitarbeiter so vor potenziellen Explosionen entzündlicher Gase oder Stoffe. Bestimmte Unternehmen oder Arbeitsstätten (z.B. Sprühanlagen) aus der Metall- und Stahlindustrie verwenden (flüchtige) organische Verbindungen und Stoffe, die solche Risiken verursachen können.

#6: EN 13034

Diese Norm ist der europäische Standard für die Prüfung der Resistenz von Schutzkleidung gegenüber Spritzern von chemischen Substanzen. Obwohl diese Norm in der Industrie nicht weit verbreitet ist, lagern und verarbeiten bestimmte Arbeitsstätten oder Nischenunternehmen gefährliche Chemikalien. Unter anderem verwenden Galvanisierbetriebe bei der Oberflächenbehandlung Chemikalien auf der Basis stark ätzender Säuren.

Welche Normen gelten für mich?

Wie identifizieren Sie die Normen, die spezifisch für Sie gelten? Die Antwort lautet: Risikobewertung! Eine Risikobewertung ermöglicht es Ihnen, die aktuellen Risiken in Ihrer spezifischen Arbeitsumgebung bis ins Detail zu erfassen. Gehen wir einmal davon aus, dass Sie Ihre spezifischen Risiken mit einer Risikobewertung erfasst haben. Nun können Sie diese Risiken mit den passenden Normen für die Einhaltung der Sicherheitsstandards abgleichen.

Selbstverständlich umfasst Sicherheit mehr als nur die Einhaltung von Normen. Es gelten grundlegende Anforderungen für Schutzkleidung, die Sie erfüllen müssen, aber diese Anforderungen können je nach Arbeitsumgebung Ihres Unternehmens anders ausfallen. Viele Arbeitsschutzbeauftragte scheinen nicht zu wissen, dass die Spezifikationen der Normen nur die Mindestanforderungen an die Sicherheit darstellen. Das heißt, dass bestimmte minderwertige Schutzkleidungsmaterialien zwar die Normtests bestehen, aber Ihre Beschäftigten nicht hinreichend vor den Gefahren schützen, denen sie bei der Arbeit ausgesetzt sind. Mithilfe von Labortests und Feldversuchen kommen die Qualitätsunterschiede zwischen den Gewebevarianten ans Tageslicht – auch dann, wenn alle Gewebe die Normen auf dem Papier erfüllen.

Geben Sie sich mit den Normen nicht zufrieden

Angesichts all dieser Aspekte, die zu berücksichtigen sind, konzentrieren sich Arbeitsschutzbeauftragte eventuell auf die falschen Normen. Auch wenn die Normen, die wir in diesem Blogbeitrag erwähnt haben, bestimmte Risiken eindeutig abdecken, gibt es diverse Grauzonen. Abriebfestigkeit ist zum Beispiel nicht in der Schweißnorm EN ISO 11611 enthalten. Außerdem mangelt es auch an spezifischen Normtests für verschiedene Metalle. Während Aluminium unter die Norm fällt, sind Metalle wie Zink und Kupfer nicht von der Norm abgedeckt.

Daher ist es wichtig, aufmerksam zu bleiben, sich nicht mit der Erfüllung der Anforderungen zufrieden zu geben und die Optionen selbst zu testen. Unter anderem sollten Sie Ihr Gewebe in einem Feldversuch an einer Schleifmaschine testen. Sie können auch Zink an Ihrem Gewebe testen. Letztendlich sind Sie dafür verantwortlich, realistisch einzuschätzen, wie weit die Normen reichen, und dementsprechend Maßnahmen zu ergreifen, um Ihre Mitarbeiter über die Normen hinaus zu schützen.

Holen Sie sich den besten Schutz

Wenn Sie die spezifischen Sicherheitsanforderungen Ihres Unternehmens identifizieren, dürfen Sie andere wichtige Kriterien wie Komfort für Träger:innen, Griff des Gewebes, Beständigkeit, Nachhaltigkeit und Unternehmensimage nicht vernachlässigen. Normen und primäre Auswahlkriterien decken diese „sekundären“ Aspekte nicht ab! Wenn Ihre Schutzkleidung alle Anforderungen der Normen erfüllt, ist das natürlich gut, aber was ist, wenn niemand die Kleidung tragen will, weil sie kratzt, schnell warm wird oder nicht richtig sitzt? Bequeme Arbeitsschutzkleidung ist entscheidend für Sicherheit im Umgang mit Stahl und Metall.

Wenn Sie Schutzkleidung für die Stahl- und Metallindustrie auswählen, sollten Sie sich einen guten Überblick über alle Risiken verschaffen – aber nicht mit einem Einkaufszettel, auf dem alle Normen stehen, die Ihrer Meinung nach wichtig sind. Mehr Normen oder eine Multi-Norm-Lösung, sind nicht unbedingt besser; die umfassendste Lösung ist nicht immer die beste Lösung. Greifen Sie bei Ihrer Ausschreibung nicht auf alte, unsichere Spezifikationen aus Ihrer letzten Ausschreibung zurück. Führen Sie stattdessen eine gründliche Risikobewertung durch und teilen Sie Ihrem Lieferanten Ihre spezifischen Bedürfnisse mit, damit er Ihnen helfen kann, die beste Lösung zu finden.

Möchten Sie eine starke Sicherheitskultur in Ihrem Unternehmen schaffen, die über die Erfüllung der Anforderungen hinausgeht? Lesen Sie mehr in unserem Report über 6 Branchentrends.