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Erste Hilfe - 5 min read

Krebs erschüttert die Welt der Feuerwehrleute

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, online an der Multidisziplinären Internationalen Konferenz über Krebs bei Feuerwehrleuten teilzunehmen, die am 4. Februar, dem Weltkrebstag, stattfand und von CFBT Poland veranstaltet wurde. Da ich kein Journalist bin, werde ich nicht zusammenfassen, was dort gesagt wurde oder wie es präsentiert wurde. Ich möchte vielmehr erklären, was mir aufgefallen ist und welche Gefühle die Veranstaltung und die Initiative bei mir ausgelöst haben: Betroffenheit, Erschütterung und Verantwortungsbewusstsein.

Die zahlen hinter den krebsrisiken

Zunächst möchte ich näher auf die aktuellen Statistiken zu Krebs bei Feuerwehrleuten eingehen. Laut einer Studie des National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) von 2013 haben Feuerwehrleute ein 9 % höheres Risiko für eine Krebsdiagnose. Das Risiko für Tod durch Krebs ist bei Feuerwehrleuten 15 % höher als beim Rest der Bevölkerung.

Mehrere Feuerwehren verzeichnen sogar noch höhere Zahlen unter ihren Angehörigen:

  • Krebs war bei der Feuerwehr von Boston im Zeitraum von 2002 bis 2014 die Ursache für 67 % aller arbeitsbedingten Todesfälle.
  • Von 2008 bis 2010 erhielten 32 % aller Angehörigen der Feuerwehr Miami eine positive Krebsdiagnose oder eine Behandlung wegen Krebs; von den Feuerwehrleuten, die seit 1952 gestorben sind, starben 35 % an Krebs und 10 % an Herzstillstand.
  • Laut den Daten der amerikanischen Feuerwehrgewerkschaft International Association of Fire Fighters (IAFF) waren 61 % der beruflichen Todesfälle von Berufsfeuerwehrleuten seit 2002 auf berufsbedingte Krebserkrankungen zurückzuführen. Allein 2016 ließen sich 70 % der Todesfälle auf Krebs zurückführen.

Ganz offensichtlich hat sich Krebs zu einem großen Problem für Feuerwehrleute entwickelt.

Trotz der eindeutigen Faktenlage weigern sich viele Verantwortliche in Europa, die Verbindung zwischen Krebs und dem Feuerwehrberuf anzuerkennen – obwohl dies bei Friseuren und Friseurinnen, die oft mit Haarspray und vergleichbaren Chemikalien in Kontakt kommen, durchaus der Fall ist.

6 trends in firefighting suits [DE]

Hier sind die neuesten Trends für Feuerwehrschutzkleidung

Das Risiko einer Partikelbelastung für Feuerwehrleute ist nur einer der wichtigen Trends im Zusammenhang mit Feuerwehrschutzkleidung. In unserem Trendreport erfahren Sie mehr zu diesem Thema und 5 weiteren Trends:

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Die versteckten gefahren eines heldenhaften berufs

Mich bewegt, dass Feuerwehrleute zur Kenntnis nehmen, was vor wenigen Jahren noch ein Gerücht war und tun was sie können, um in ihren Netzwerken die deutliche Botschaft zu verbreiten, dass dieser Beruf gefährlich ist. Es gibt viele versteckte Gefahren, die weit über die offensichtlichen Risiken und Gefahren hinausgehen, denen sich Feuerwehrleute aussetzen, wenn sie einem Notruf folgen.

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Feuerwehrleute arbeiten unter strapaziösen Bedingungen, die physisch und psychisch belastend sind. Fitness und Gesundheit sind für sie von entscheidender Bedeutung, da ihr Leben davon abhängt. Außerdem müssen sie über eine hohe Moral und Motivation verfügen, da sie beides benötigen, um sich den Hindernissen im Beruf und Privatleben stellen zu können. Es hat mich gefreut, dass bei der Konferenz auch der mentale Aspekt des Feuerwehrberufs zur Sprache kam, denn Statistiken zeigen, dass Depression und psychischer Stress große Auswirkungen auf Beruf und Privatleben haben.

Vermeidung von kontaminationen durch feuerwehrschutzkleidung – psa ist lebenswichtig

Ich war besonders erschüttert, als ich erfuhr, dass Feuerwehrleute vor allem in ihren Fahrzeugen oder in dem Bereich der Feuerwache, in dem die Fahrzeuge stehen, gefährlichen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) ausgesetzt sind, nicht etwa bei der Brandbekämpfung. Wir alle wissen, dass Autoabgase gefährlich und umweltschädlich sind, aber nun müssen wir dieser Liste einen weiteren Aspekt hinzufügen, nämlich die Gefahr, die diese Abgase für Feuerwehrleute darstellen.

Kontakt mit Ruß, Rauch, Schmutz und Partikeln am Arbeitsplatz wird schon seit 1775 mit Gesundheits- und Sicherheitsproblemen in Verbindung gebracht, als Percival Poot, ein britischer Chirurg, statistische Erhebungen unter Schornsteinfegern mit Krebserkrankungen bei jungen Männern, die damals diesen Beruf ausübten, in Verbindung brachte. Um diese Gefahr zu reduzieren, wurden Maßnahmen ergriffen sowie Kleidungsvorschriften und Verfahren eingeführt. Das war der Beginn von PSA. Die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen dieses Arztes trugen wesentlich zur Entwicklung der Medizin und der Vorsorgemaßnahmen bei, von denen wir heute alle profitieren.

PSA ist von entscheidender Bedeutung, um Feuerwehrleute vor Feuer und Hitze zu schützen, aber genauso wichtig ist es, dass ihre Kleidung sauber und sicher ist, damit die Träger(innen) durch das Tragen der Kleidung nicht mit Schadstoffen belastet werden. Wir haben uns bereits in einem früheren Beitrag mit diesem Thema befasst. Klicken Sie auf den Link, um diesen Blogbeitrag zu lesen.

Folgende grundlegende Regeln sind zu beachten:

  • Tragen Sie Ihren Schutzanzug nur, wenn Sie die Wache wegen eines Notrufs verlassen. Ziehen Sie den Schutzanzug nach dem Einsatz aus und deponieren Sie ihn in dem Behälter, der zu diesem Zweck bereitgestellt wurde. Bewegen Sie sich in der Wache nicht mit Ihrem Schutzanzug oder mit den Überhosen, da Sie auf diese Weise die Partikel in Ihrer Umgebung verbreiten.
  • Waschen Sie Ihren Schutzanzug nicht zuhause. Lassen Sie ihn professionell reinigen und vergewissern Sie sich, dass die Schutzanzüge nur in einer Maschine gereinigt werden, die speziell zu diesem Zweck dient.
  • Waschen Sie Ihre Stationskleidung oder Ihre Sportkleidung nicht in der Maschine, die zum Reinigen der Schutzanzüge dient, da diese Kleidungsstücke ansonsten kontaminiert werden.
  • Aber nicht nur Brandschutzanzüge bedürfen Ihrer Aufmerksamkeit, denn auch Helme, Stiefel, Handschuhe und SCBA müssen gründlich gereinigt werden und benötigen genauso viel Pflege wie Ihre Schutzanzüge.

PFAS-freie kleidung ist (noch) nicht die optimale lösung

Niemand hat die richtige Antwort, aber PFAS-freie Beschichtungslösungen sind oft eine zweischneidige Angelegenheit. PFAS-freie Stoffe sind die bevorzugte Lösung für Textilien, Feuerlöschschaum usw., aber sie sind unbrauchbar angesichts der Risiken, denen Feuerwehrleute ausgesetzt sind, sowie im Hinblick auf die Norm zum Schutz vor Chemikalien. Manche Hersteller behaupten, dass sie neue, PFAS-freie Lösungen entwickelt haben, die auch Schutz vor Chemikalien bieten, aber leider sind diese Lösungen nicht auf breiter Ebene verfügbar. Entweder befinden sie sich noch in der Entwicklungsphase oder ihre Leistung lässt zu wünschen übrig.

Optimierte reinigungstechnologien zur dekontaminierung von schutzanzügen

Aktuell gibt es spezialisierte Unternehmen, die innovative Reinigungstechnologien zur Dekontaminierung von Brandschutzausrüstung anbieten. Diese Technologien haben sich in kürzester Zeit weiterentwickelt, und diesen Anbietern ist es außerdem gelungen, kostengünstiger zu produzieren und ihr Serviceangebot in unterschiedlichen Regionen zu erweitern. Ein Vorteil ist, dass sie bei Feuerwehren für ein besseres Bewusstsein sorgen und über den Unterschied zwischen Reinigung und Dekontaminierung aufklären.

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Es freut mich zu sehen, dass Feuerwehren die Bedeutung dieser Investitionen erkennen und ihre Beschäftigten zu den besten Praktiken schulen, um das Risiko auf ein Minimum zu beschränken und die Sicherheit der Feuerwehrleute zu gewährleisten.

Verbesserte unterstützung für feuerwehrleute und ihre angehörigen

Ich freue mich außerdem festzustellen, dass manche Länder Feuerwehrleute unterstützen, indem sie einen Entschädigungsfonds für an Krebs erkrankte Feuerwehrleute und deren Angehörige einrichten. Auch wenn das nur ein Anfang sein kann, bieten Kanada, Australien und die USA (Kalifornien) eine solche Unterstützung bereits an; Neuseeland wird bald folgen. Das sind zwar weltweit nur wenige Länder, aber ich hoffe, dass mehr Feuerwehren und Behörden sich diesem Beispiel in Zukunft anschließen werden.

Die Statistiken sind überwältigend und – wie die Zahlen zeigen – nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Krebs kann sowohl durch das, was wir essen, trinken, atmen oder rauchen, als auch durch unsere Umgebung verursacht werden. Das gilt auch für die zahlreichen Karzinogene, die an Brandherden und im Arbeitsumfeld der Feuerwache zu finden sind.

Gemeinsam mehr bewusstsein schaffen

Solange Feuerwehrleute Brände bekämpfen, werden sie auch weiterhin Risiken und Gefahren ausgesetzt sein. Zum Glück führt das Bewusstsein, das durch die Bemühungen von Einrichtungen und Organisationen wie CFBT.PL, FBU, IARC, IAFT usw. in Zusammenarbeit mit der gesamten Industrie – Gewebeherstellern, Kleidungsherstellern, Waschmaschinenfabrikanten, Herstellern von Reinigungs- und Waschmitteln, Wäschereien und Feuerwehrgewerkschaften – geschaffen wird, dass das Wissen wächst und die Risiken reduziert werden.

Die gemeinsamen Bemühungen all dieser unterschiedlichen Akteure trägt hoffentlich dazu bei, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden und die Krebserkrankungen zurückgehen. Vielleicht wäre es eine Lösung, Roboter oder Drohnen zur Brandbekämpfung einzusetzen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte für ein andermal...

 

(Video: recording of the Multidisciplinary International Conference on Cancer in the Fire Services)

TOPICS: Erste Hilfe , Feuerwehr